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"Unternehmerisch denken – |
| Küchenkultur aus Unternehmerhand Die 1971 von Rolf Gubelt gegründete Branchengruppe hat sich zu einer Ausnahmeerscheinung in der Handelslandschaft entwickelt. Gubelt und sein 20 Jahre jüngerer Partner Matthias Geier hatten das typische Geschäftsmodell „Einkaufsverband“ auf den Prüfstand gestellt. Sie stutzten Unzeitgemäßes und Überflüssiges radikal zurück und scherten aus dem Preisgerangel der Küchenanbieter konsequent aus. Stattdessen investierten sie in das Berufsbild des von ihnen kreierten polytechnischen „Handelshandwerkers“, setzten auf systematische Weiterbildung und beteiligten sich auf breiter Front an der Fortentwicklung der in eine Sackgasse geratenen „Einbauküche“. Die Einbauküche der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky trat vor nahezu 100 Jahren ihren Siegeszug an – als Errungenschaft des damaligen Arbeiterhaushalts für die erwerbstätige Frau und Mutter. Diese Küche nennt man nach ihrem ersten Marktauftritt (1926) die „Frankfurter Küche“. Sie schaffte den Aufstieg in die Angestellten- und später auch in die Villenquartiere, blieb aber trotz umfangreicher Elektrifizierung in ihren Grundfunktionen, was sie von Anfang an gewesen war: die Küche für den Arbeitnehmer Haushalt oder abwertend „die Arme-Leute-Küche“. Gubelt und Geier sind alles andere als Revoluzzer. Sie fanden aber doch, dass es allmählich an der Zeit sei, die Vergangenheit der Arbeiterbehausung zu überwinden und auf die geänderten Lebensformen der neuen Mittelschicht zuzugehen. So fanden sie zu dem Ziel, das das ehedem sorgsam abgesteckte „Reich der Hausfrau“ für den Mann und die heranwachsenden Kinder zu öffnen. Dieses Ziel, soviel wurde beiden bald klar, wäre mit allein mengen- und umsatzgesteuerten Partnern nicht zu erreichen gewesen. Zudem griff gerade in den 70er Jahren in der Küchenindustrie die „Montagestrategie“ um sich. Immer mehr Hersteller setzten auf standardisierte Zulieferung. Gegen die unausweichlichen, gefährlichen Nivellierungsfolgen sicherten sie sich mit ausgeklügelten Markenkampagnen. Es entstand der noch heute dominierende Markenmarkt – die alte Einbauküche schien auf Jahre hinaus das Pflichtprogramm bleiben zu sollen, während die individuelle Küche als Kür eine Sonderrolle spielen müsste. Gubelt und Geier suchten und fanden die entscheidende Bresche in der millionen-bewehrten Marktfront: die moderne Auffassung eines Küchenraums, der nicht nur funktionale Zubereitungswerkstatt ist, sondern Lebensraum, kreatives Studio, Galeria und Präsentationsfläche für die Wohn- und Lebenspartnerschaften. Diese Auffassung würde sich nur mit unabhängigen Unternehmern aus der Handels-und Handwerkerszene verwirklichen lassen. Der Markt erwies sich als reif und aufgeschlossen für diese Auffassung. Nach und nach fanden sich auch selbstständige Handels- und Handwerks-unternehmer zusammen, die standortbewusst und mit einem Schuss missionarischer Festigkeit die neue Idee zu vertreten bereit waren. Matthias Geier sorgte für das organisatorische Gerüst, vermittelte anspruchsvolle Weiterbildung mit dem Leitbild professioneller Könnerschaft. Heute sind die neuen Küchenunternehmer stolz darauf, dass in vielen regionalen Märkten die Besten und Erfolgreichsten bereits zur „Gruppe“ gehören. „Der geborene neue Küchenunternehmer ist handwerklich und technisch profiliert. Er hat eine sehr persönliche, jedoch gut reflektierte Beziehung zur Küche selber und bringt seine Erfahrung in die Küchengestaltung ein. Er leitet den eigenen Betrieb schon seit mehreren Jahren und ist in seinem örtlichen Umfeld gut integriert.“ So fasst Matthias Geier das Partnerprofil zusammen, das Profil jener selbstständigen Unternehmer, die er für seine Idee gewinnen will und kann. Dabei machen aber die „Formalitäten“ zuweilen durchaus Kopfzerbrechen. Nein, man wird als neuer Küchenunternehmer kein Verbandsmitglied – schon gar nicht Mitglied eines Einkaufsverbandes. Das bedeutet praktisch: keine Zentralregulierung, keine Zwangsabwicklung, keine Vormundschaft beim Einkauf. Und es gibt auch keine „Parteitage“, auf denen Schulterschlüsse mit Politikern oder Bankoberen vorgeführt werden. Dafür gibt es den wiederentdeckten Erfahrungsaustausch unter Unternehmern. Der wird mobilisiert durch neuartige Themenseminare - Freihandzeichnen im Planungsgespräch, LED-Einsatz, küchentaugliche Medien-Technik oder auch schon mal über die esoterischen „Maschen“ selbsternannter Gurus. Und immer wieder kehrt man dabei zurück zu den Wurzeln und den Hintergründen der modernen Küchengestaltung: Andreas Palladio und Bauhaus, Miet- und Familienrecht, Ernährungstrends und „work life-balance“-Strategien. “Wer mit seinen Kunden auf Augenhöhe über die Küche sprechen kann, gewinnt Freunde!“ weiß Matthias Geier aus eigener Praxis. „Dazu gehört bisschen mehr als billiger Rabattzauber oder treuherzige Versprechungen. Küche kann banale Notwendigkeit sein – aber eben auch Kultur und Lebensgefühl. Wir wollen und gewinnen den kultivierten Haushalt. Darin sehen wir unsere Zukunft.“ Da sind sich Rolf Gubelt und Matthias Geier nach erfolgreichen Jahrzehnten auch heute noch einig. © ge-dk, Pordonesische Küchenexkursion 2010
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